Konzentrationslager Hessental - Gedenkstätte

Kochertal in Baden-Württemberg.

Konzentrationslager Hessental - Gedenkstätte

Beitragvon jan » Mi 1. Jan 2014, 02:46

Wenn man 10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg geboren ist, so gehörte man in die Schuljahrgänge, die im Unterricht ziemlich viel zu Mittelalter und Steinzeit, aber ganz wenig zum 19. & 20-Jahrhundert gelernt haben. Die Schulen, besser die Kultur, war in den 60-80er des vorigen Jahrhunderts nicht in der Lage mit dem Stoff um zu gehen. Auch in der Familie wurde zu Weltkrieg eher wenig bis gar nichts erzählt. Ein Großvater war in Stalingrad und kam erst Jahre später heim. Doch erzählt wurde uns Kindern nichts und fragen durften wir nicht.

So kam es, dass KZ, Zwangsarbeit, Weltkrieg und Kriegsgreul für mich stets weit weg waren, eigentlich eher unreal. Ich mache es noch etwas deutlicher. Es war doch einfach unverständlich, dass es bis an die Jahrhundertwende in Amerika Sklaven gegeben hat. Undenkbar in Europa - so dachte ich lange. Doch im Rückblick war KZ und Arbeitsdienst des Naziregimes doch der Sklavenhaltung vergleichbar. Wobei die Sklaven in Amerika die Option hatten, zu leben. Viele Deportierte oder KZ-Insassen hatten diese Option 1938-45 nicht. Ein großer Prozentsatz der NS-Opfer ging der industriellen Vernichtung entgegen... oft nicht einmal unwissend.

Mein anderer Großvater war Lokführer bei den Stadtwerken in Krefeld. Er fuhr die Rangierlock, mit der die Kohlezüge für den Niederrhein zusammengestellt wurden. Morgens waren die Brote in der Aktentasche und abends die Kohlen. Manchmal ein Sack Kohlen am Feldweg runter geschmissen und dann nachts mit dem Fahrrad abgeholt. Diesen Umständen verdankte die Familie dass im Krieg der Ofen nie ausging. Und Kohlen konnte man gegen alles tauschen. Kohlen waren neben Butter und Zigaretten wohl die sicherste Währung in Kriegszeiten. Die Reichsbahn und die Stadtbahn waren eng verknüpft. Die Reichsbahn war die technische und logistische Grundlage zu Transport, Deportation und Arbeitslager. Kaum ein KZ oder Arbeitslager ohne eigenen Bahnanschluss, so auch in SHA-Hessental. Die Bahntrassen der Reichsbahn waren die "Lebensadern" der KZ und Arbeitslager. Das ein Bahnbediensteter in Kriegszeiten nichts von den Menschentransporten in Viehwaggons mit bekommen hat - ich kann mir das schwerlich vorstellen. Der direkte Bahnanschluss der Lager war im Umkehrschluss wohl der beste Garant für die "diskrete" Abwicklung der Personentransporte in Viehwaggons. Die Menschen wurden zur Ladung, der Transport zur Aufgabe mit nahezu neutralem Charakter, gut der Lokführer musste sich die Ohren zustopfen, doch sonst konnten fast alle sagen - sie haben doch nichts gemacht und auch von nichts gewusst.

Heute habe ich angehalten und bin das KZ in Hessental abgegangen. Gut gekleidet, bei 12°C an einem schönen, sonnigen Dezembertag - habe ich angesehen wo Menschen bei Frost, schlechter Kleidung, minimaler Hygiene, Folter und Terror von dummen Menschen in einem menschen- und sittenverachtenden Regime systematisch zugrunde gerichtet wurden.

  • Für mich bleibt die Frage, wird das je vorbei sein?
  • Kann eine Zivilisation auch ohne das, ohne Terror?

Ohne eine Ausnahme hat sich bis April 1945 jede deutsche Stadt und viele große und kleine Unternehmung an den Personalressourcen dieser Lager "bedient". Schindlers Liste und den Quatsch den man uns heute erzählt... sicher hat es da etwas gegeben, doch was sind solche Geschichten schon gegen die systematisch betriebene Ausbeutung, Verelendung, Vernichtung und Beseitigung "Andersdenkender"?

Quellen, Hinweise & Verweise:






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