Kläranlage Gaildorf - renoviert, modernisiert, erweitert

Kochertal in Baden-Württemberg.

Kläranlage Gaildorf - renoviert, modernisiert, erweitert

Beitragvon jan » So 21. Jul 2013, 17:24

Die Kläranlage Gaildorf wurde 2010/13 renoviert, modernisiert und erweitert - und heute mit einer kleinen Feier "eingeweiht". Die 1977 errichtete Kläranlage war in die Jahre gekommen und wurde deshalb, und wegen der gestiegenen Anforderungen an das in den Kocher ein zu leitende Abwasser, modernisiert und erweitert.

Große Industrie, Kraftwerke oder Molkereien hängen nicht an der Anlage. Zur Zeit "bedient" die Anlage ca 12.000 Einwohner (Einwohnergleichwerte) und ist für 18.000 Einwohner (Hydraulisch 150l/sec) ausgelegt. Die Probleme der Kläranlage kommen weniger aus der großen Einwohnerzahl, als aus der großen Fläche und die vielen Teilorte Gaildorfs, die die Anlage bedient. Früher gab es auch die Überlegung das Abwasser von Sulzbach-Laufen nach Gaildorf zu pumpen. Doch rechnetet sich dieses Konzept nicht - so dass Sulzbach-Laufen seither in einer kleineren Anlage selber klärt.

Im Konzept hat die Anlage einen "Eingang", den Kanal mit Regenüberlaufbecken. und einen "Ausgang" für das Abwasser. Gaildorf hat größtenteils Mischkanalisation, Oberflächenwasser und Schmutzwasser kommt vermischt hier an. Ortsteile mit Trennkanal führen ihr Oberflächenwasser vor Ort über Regenrückhaltebecken in ein Gewässer ab.:
  • Im Regenrückhaltebecken kommen Oberflächenwasser und Schmutzwasser an und werden dem Klärprozess stetig zugeführt
  • Aus dem letzten Becken, dem Nachklärbecken, wird das gesamte, geklärte Abwasser an den Kocher geliefert.

Haben die Vorklärbecken freie Kapazität, so wird über eine Förderschnecke der Anlage das Mischwasser zugeliefert. Das ist auch der erste Knackpunkt - übersteigt der Zulauf des Regenrückhaltebeckens die Beckenkapazität und haben die Vorklärbecken keine freie Kapazität, so liefert der Überlauf des Rückhaltebeckens ungeklärt an den Kocher. Feinstäube und Straßenabrieb, ungeklärtes Schmutzwasser... gelangt dann in den Kocher. Packt die Anlage das gesamte zulaufende Wasser - so werden auch die Abwässer durch den Klärprozess "geschleußt".

Abgeschieden wird Sand (Minerale, Staub, Schlamm, alles was der Mensch in den Kanal entläßt(!)), Fett, organische Belastungen (Kohlenstoffverbindungen),Nährstoffe (Stickstoff und Phosphatabscheidung).
  • Die Kläranlage wird als mechanische, biologische Kläranlage betrieben,
  • eine chemische Klärstufe gibt es nicht,
  • eine Ultrafiltration findet nicht statt,
  • Schlamm und Feinstaub wird bedingt abgeschieden,
  • Gifte, Medikamente(Hormone), Schwermetalle werden nicht geklärt.
Im wesentlichen konnte die Modernierung erreicht werden, in dem das alte Anlagenkonzept über plant und optimiert wurde. Einige Becken, so das Regenrückhaltebecken und die Belebt-Schlammbecken, konnten durch Erhöhung der Füllstände optimiert werden. Eine moderne Mess-, Steuer- und Regeltechnik optimiert den Energieeinsatz und die Anlagenergebnisse. Neue Erkenntnisse in der Klärtechnik lassen feinere Regelungen und bessere Ergebnisse mit weniger Aufwand (z.B. Energie, Sauerstoffeintrag,...) zu. Eine moderne Schlammtrocknung in einer Zentrifuge, wie sie ähnlich auch in der Saftherstellung Verwendung findet, minimiert bei 3500 Umdr./Min die Restfeuchte und das Volumen des Klärschlamms. Der Klärschlamm wird nicht in der Landwirtschaft verwendet(Problem: Keime, Schwermetalle, Medikamente, Hormone, Gifte), sondern z.B. über die Öfen der Zementindustrie entsorgt.

Die meisten Steuerungsabläufe sind mit einer modernen Messtechnik automatisiert und automatisch dokumentiert - wie es heute der Stand der Technik ist. Manche Einzelprozesse, z.B. die Klärschlammtrocknung werden von Hand gefahren. P(Phosphor) und das N(Stickstoff), das im Kläprozess nicht in die Atmosphäre entweicht, wird mit dem Klärschlamm vergärt und letztlich entsorgt. Eine Rückgewinnung von P und N gibt es in Gaildorf nicht. Der getrocknete Klärschlamm wird über die Öfen in der Zementindustrie entsorgt.

Im eigenen Wasserlabor wird die Qualität des in den Kocher abfließenden Wassers mit einer konventioneller Laboreinrichtung analysiert, überwacht und dokumentiert. Im Focus der Kontrolle stehen:
  • Beim Abwasser: Temperatur, pH, CSB, NH4, NO3, NO2, Nges, Pges,
  • Beim Klärschlamm: Trockensubstanzgehalt, Feuchtegehalt und Aschegehalt.

Im letzten Nachklärbecken, bevor das Wasser die Anlage Richtung Kocher verlässt, überwachen einige Karpfen den Erfolg der Anlage. Zu manchen Jahreszeiten, besonders im Winter, besuchen auch die Stockenten aus dem Kocher das Nachklärbecken. Die Enten profitieren von der Temperaturdifferenz und weiden den Algenbewuchs ab.

Anlagenteile:
  • Regenüberlaufbecken 1845m², Duchlaufbecken im Nebenschluss.
  • Zulaufpumpwerk mit Schneckentrogpumpen
  • Rechenanlage mit Feinrechen, Rechengutwaschpresse und Grobrechen
  • Sand- und Fettfang
  • Vorklärbecken 2x 120m³
  • Denitrifikation, Phosphor- und Stickstoffabscheidung,1000³
  • Belebungsbecken 1380m³, Zonenaufteilung mit Blendenregulierschieber
  • Nachklärbecken Durchm. 35m
  • Schlammpumpwerk
  • Schlammvor- und Nacheindicker
  • Faulturm, Volumen 1400m³ und Niederdruckgasspeicher
  • Mechanische Schlammentwässerung(Zentrifuge) und Filtratspeicher250m³


Quellen, Hinweise und Verweise:






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