Flutmulde Gaildorf... am Sportplatz

Kochertal in Baden-Württemberg.

Flutmulde Gaildorf... am Sportplatz

Beitragvon jan » Mi 19. Jun 2013, 23:22

Wer wird es glauben? - Wenn Sie in Gaildorf an der Bahnhofstraße beim EDEKA einkaufen oder beim Shell tanken, so sind Sie keine 100m von einer Kocherinsel und einer gar nicht so kleinen kleinen Flutmulde neben dem Kocher entfernt.


Vom Hallengelände aus können Sie über den Kocherdamm, am Kochersteg vorbei, das Gelände in wenigen Minuten mit einem kleinen Spaziergang erreichen.

Der Kocherbereich neben und hinter dem Gaildorfer Sportplatz wurde vor ca. 25 Jahren beim Bau der Sportanlagen "offen gelassen". Ein alter Seitenarm des Kocher wurde vom Kocher selber vorne mit Sand verfüllt, ist aber im weiteren Verlauf noch gut zu erkennen. Man kann erkennen, wie das Hochwasser diese Landschaft gestaltet. Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und im Sommer die Brennessel nicht scheut, so kann man das interessante Plätzle finden. Das Zusammenspiel von Bewuchs und Hochwasser ist wohl der große gestaltende Faktor. Im Bereich der Kocherinseln hat das Wasser die alten Einfassungen beseitigt und mit eigenen Kräften eine tolle Bachlandschaft "geschoben". Eine kleine Auenlandschaft mit Weichholzaue und Hartholzaue, die vermuten lässt, wie der Kocher früher ausgesehen hat. Der historische Kocher war wesentlich flacher, mit sandigen Uferbereichen, und wesentlich breiter als die heutige kanalisierte Fließrinne. Der Reichsarbeitsdienst hat vor und während dem 2 Weltkrieg große Abschnitte des Kochers kanalisiert. Der Kocher wurde regelrecht gepflastert. An vielen Stellen liegen diese Pflaster und Schüttungen bei Niedrigwasser frei.

Im Bereich der Kocherinsel bekommt man ein Gefühl für den ursprünglichen Kocher. Sandige Ufer und sandige Inseln bleiben liegen, oder werden jährlich regelrecht vom Kocherhochwasser umgeschichtet. Bis auf wenige Hybridpappeln ist der Bewuchs neben dem Sportplatz nicht gepflanzt. Bergahorn, Traubenkirsche und andere seltene Exemplare säumen den Weg. Das Indische Springkraut und die Brennessel sind im Sommer etwas lästig - aber im Bachverlauf üblich.

Die Insel im Kocher ist ein toller Spielplatz für die Jugend. Die vielfältigen Kocherbereiche, das sandige Flachwasser und die unterschiedliche Fließdynamik lassen viele und abwechslungsreiche Lebensbereiche für Fische und Amphibien vermuten.

Insgesamt eine sehr lohnende Renaturierung - Investition: ca. 0,00 EUR + 25 Jahre! An diesem Kocherabschnitt kann man vieles lernen. Man kann dort einen Eindruck bekommen, wie eine naturnahe oder ökologische Flutmulde gestaltet werden kann, einfach indem man der Natur die Flächen zur Gestaltung "überlässt". Oder wollen wir Menschen nun der Natur beibringen, wie eine Bachaue aus zu sehen hat? Wahrscheinlich war es der größte Nutzen für diese kleine Bachlandschaft, dass Gaildorf das 25 Jahre vergessen hat. Das Ergebnis ist jedenfalls beeindruckend. Auch Vögel, Kleinsäuger, Insekten und Fledermaus finden hier Nischen, die anderswo beseitigt sind.

Etwas nachteilig ist das "Aroma" des Hauptsammlers der Kläranlage, den Gaildorf im Damm unter dem Weg verlegt hat. In den Sommermonaten stinkt es jämmerlich. Das hat die Ökologie aber nicht gehindert am Kocher ein kleines Lehrstück zu Bach und Flutmulde zu schreiben. Hoffentlich finden sich in Gaildorf Stimmen, die derartige Entwicklungen erkennen, fördern und unterstützen.

Der NABU Gaildorf hat diese Kocherinsel und die Flutmulde als wertvolles Naturdenkmal "wiederentdeckt". Weitere kleine Änderungen ergaben sich am Hochwasserdamm beim DAST und am Kocher bei der Eschenau. Wirklich nur kleine Änderungen, die aber beachtliche positive Wirkung zeigen. Doch am merkwürdigsten ist vielleicht, dass viele Veränderungen weniger von Menschen geplant -, sondern vom Kocher und der Gewässerökologie geformt und gestaltet wurden.

Naturgestaltung ohne eine Rechnung und ohne eine Unterhaltslast - ob die lokale Politik diese einfache Botschaft verstehen wird?

Quellen, Hinweise & Verweise:





- -

Bild

Mit WALD und WASSER spielt man nicht, -
mit BÜRGERABSTIMMUNG und DEMOKRATIE auch nicht!

Energiewende und Klimaschutz sind richtig und wichtig! -
Gerade deshalb ist Umweltschutz, Naturschutz und die Einhaltung der Baugesetze nie falsch!


-
Benutzeravatar
jan
 
Beiträge: 507
Registriert: Di 6. Dez 2011, 22:49

Zurück zu KOCHERTAL



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron