Reformation im Limpurger Land

Kochertal in Baden-Württemberg.

Reformation im Limpurger Land

Beitragvon jan » Fr 24. Feb 2017, 00:36

500 Jahre nach Beginn der kirchlichen Erneuerungsbewegung, zwischen 1517 und 1648, ziehen staatliche und kirchliche Institutionen im Limpurger Land ein Fazit.

Noch heute ist der Kirchenbezirk weitgehend deckungsgleich mit dem "Limpurger Land", das den Schenken von Limpurg vom deutschen Kaiser zum Lehen gegeben wurde. Das Erbschenkenamt war ein bedeutendes Amt am Hof des Kaisers. Schon früh schlossen sich die Schenken der Reformation an und gaben ihrem Land eine eigene evangelische "Limpurgische Kirchenordnung".

Reformation (lateinisch reformatio „Wiederherstellung, Erneuerung“) bezeichnet im engeren Sinn eine kirchliche Erneuerungsbewegung zwischen 1517 und 1648, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert) führte.

Die Reformation wurde in Deutschland überwiegend von Martin Luther, in der Schweiz von Huldrych Zwingli und Johannes Calvin angestoßen. Ihr Beginn wird allgemein auf 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, aber ihre Ursachen und Vorläufer reichen weiter zurück. Als Abschluss wird allgemein der Westfälische Frieden von 1648 betrachtet.

Anfänglich war die Bewegung ein Versuch, die römisch-katholische Kirche zu reformieren. Viele Katholiken in West- und Mitteleuropa waren beunruhigt durch das, was sie als falsche Lehren und Missbrauch innerhalb der Kirche ansahen, besonders in Bezug auf die Ablassbriefe. Ein weiterer Kritikpunkt war die Käuflichkeit kirchlicher Ämter (Simonie), die den gesamten Klerus in den Verdacht der Korruption brachte. - viele weiter Details dort

Johannes_Brenz, Wirken in Schwäbisch Hall (1522–1548)
Durchsetzung der Reformation und Neuordnung der Kirche

Die Durchsetzung der Reformation erfolgte schrittweise. Mit Predigten zum Beispiel gegen die Heiligenverehrung bereitete ihr Brenz, der am 30. Mai 1523 in traditioneller Weise zum Priester geweiht worden war, den Boden. Er arbeitete hierbei eng mit Johann Isenmann und Michael Gräter zusammen, den Pfarrern von St. Michael und St. Katharina. Im Bauernkrieg von 1525 wandte Brenz sich mit Entschiedenheit gegen den Aufstand, drängte aber – im Gegensatz zu Luther, der eine harte Bestrafung forderte – auch auf eine milde Behandlung der Bauern, da die Obrigkeit mit schuldig am Aufstand gewesen sei. An den Bestrafungen aufständischer Bauern, die der Haller Rat durchführen ließ, übte er scharfe Kritik: „Wo die Obrigkeit nicht allein in die vorigen Beschwerden kein Einsehens tue, sondern mehr Strafe und Plage den Untertanen auflege, werde es zuletzt... über ihren eigenen Hals geraten“. An Weihnachten 1526 feierte er erstmals das Abendmahl in beiderlei Gestalt, die Messe wurde in seiner Kirche St. Michael und in St. Katharina 1527 abgeschafft, in anderen zog sich dies bis 1534 hin.

Mit der Kirchenordnung von 1527 entwarf Brenz eine Neugestaltung der religiösen Verhältnisse in Schwäbisch Hall. Predigt, Taufe und Abendmahl erhielten ebenso eine neue Form wie der Ablauf des Gottesdienstes oder das Eherecht, das aus dem Kirchenrecht in den Aufgabenbereich der weltlichen Obrigkeit überführt wurde. In Gutachten befasste sich Brenz zum Beispiel mit Themen wie Scheidungen, Ehehindernissen oder den Verfahren bei Ehebruch. Mit einbezogen in die Reform des Kirchenwesens waren auch die Schulen. Talentierte Schüler gleich welcher Herkunft sollten laut Brenz Latein lernen und so die Grundlage für eine höhere Schulbildung erwerben. Er forderte auch Schulunterricht für die Mädchen, denen die Heilige Schrift ebenso gehöre wie den Männern. Wichtiges Unterrichtselement war der Katechismus, der in Frage- und Antwortenform Glaubensinhalte bündelte und sie so u.a. der Jugend zugänglich machen sollte. Die drei von Brenz verfassten Katechismen, am wichtigsten derjenige von 1535, entfalteten eine große Wirkung – bis 1999 erschienen davon insgesamt 518 Ausgaben, darunter fremdsprachige. Neben Luther gilt Brenz als bedeutendster Katechismenautor des lutherischen Protestantismus.

Endgültig durchgesetzt – nun auch in dem der Reichsstadt Schwäbisch Hall gehörenden Landgebiet – wurde die Reformation mit Hilfe der von Brenz verfassten gedruckten Kirchenordnung von 1543.

Glaubt der Laie heute vielleicht, das die s.g. 'Reformation' eine religiöse Neuordnung im Abendland beschreibt, wird bei genauerer Betrachtung deutlich, das Macht- und Regierungsstrukturen stets massgeblich beteiligt waren. Verschoben sich die Machtverhältnisse, waren die Folgen teils drastisch. Ganze Bevölkerungsteile oder Ortschaften wurden 'umgesiedelt', 'reformiert' oder schlicht verdrängt. Steinbach nahe Comburg, und viele andere katholische Enklaven im Limpurger Land, deuten noch heute auf solche Veränderungen, -die nicht immer sehr human abliefen. Kloster Comburg (kath.!) ernannte evangelische Pfarrer und Prediger, -die Übergänge und Zusammenhänge konnten für die betroffene Bevölkerung nicht dramatischer sein. Nicht ohne Grund lebte auch Jonhannes Brenz vorübergehend im Wald eines Schutzherren, heute würde man 'im Untergrund' sagen. Gegnerische Fürsten unterstützten gegnerische Pfarrer. Wer Karriere machen wollte, musste sich Gedanken zu Glaubensrichtung machen. Wer sich heute als 'Reformator' sah, konnte morgen ein 'Aufwiegler' oder 'Querulant' sein, -das konnte in manchen Situationen den Kopf kosten, oder die Familie und die ganze Sippe ernsthaft bedrohen.

Also, eigentlich 500 Jahre nicht neues, -alles so, wie heute auch!

Quellen & Hinweise:
siehe Text
Das Limpurger Land und die Reformation - Gaildorf Stadtarchiv Dr. Heike Krause, 23. Februar, 19.30 Uhr, evangelisches Gemeindehaus

Wie vernagelt wir heute noch sind, kann man vielleicht ein wenig daran erkennen, das der evangelische Gastgeber im evangelisches Gemeindehaus nach dem Vortrag von Gaildorf Stadtarchiv Dr. Heike Krause darauf hinwies, das man daran arbeite, -diesen Vortrag zu veröffentlichen... was kann in einem Stadtarchiv nicht öffentlich sein? Was kann es da zu regeln geben? Ist das Stadtarchiv vielleicht katholisch ...?

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