Knautien-Sandbiene, Wildbiene des Jahres 2017

Kochertal in Baden-Württemberg.

Knautien-Sandbiene, Wildbiene des Jahres 2017

Beitragvon jan » So 12. Feb 2017, 21:49

Mittwoch. 08. März 2017, 19:00 Uhr, Schloss Michelbach
"Die Wildbiene des Jahres 2017"
mit Rainer Prosi, Volker Mauss und Paul Wörner.


Die Knautien-Sandbiene

Warum die Wildbiene des Jahres?

Seit 2013 wählt das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ jährlich eine besonders interessante Wildbienenart aus, um an ihrem Beispiel die spannende Welt der Wildbienen bekannter zu machen. Zudem wird betont, dass diese für den Menschen ungeheuer nützlichen Tiere heute in ihrem Bestand bedroht sind. Zugleich soll die Wildbiene des Jahres dazu ermuntern, in die Natur zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum aufzusuchen. Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (citizen science) und bringt mehr Klarheit über das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres. Gehen wir also auf die Suche nach der Wildbiene des Jahres, lernen wir ihren Lebensraum kennen und kümmern wir uns um ihren Schutz!

Gegenspieler

In den Nestern der Knautien-Sandbiene lebt ein „Kuckuck“!

Die Bedornte Wespenbiene (Nomada armata) schmuggelt ein Ei in eine Brutkammer mit Pollen und Nektar im Nest der Sandbiene. Die frisch geschlüpfte Larve saugt das Ei der „rechtmäßigen“ Nestinhaberin aus und ernährt sich von den Vorräten, die die Knautien-Sandbiene für den eigenen Nachwuchs eingetragen hat. Erstaunlicherweise lebt rund ein Viertel unserer Wildbienen ein solches Leben als Kuckuck – auf Kosten der jeweiligen Wirtsbiene. Die Bedornte Wespenbiene lebt ausschließlich bei der Knautien-Sandbiene, sodass hier, ausgehend von der Knautie, sehr enge und empfindliche Abhängigkeiten bestehen.

Hilfe für die Knautien-Sandbiene
Die Wiesen-Witwenblume ist zwar in ganz Deutschland verbreitet, doch haben ihre Vorkommen in den letzten Jahrzehnten rapide abgenommen. Durch fortschreitenden Umbruch der Wiesen in Ackerland, die starke Düngung und häufige Mahd der noch verbliebenen Wiesen ist die Wiesen-Knautie massiv zurückgedrängt worden. Auch Straßen- und Wegränder sind aufgrund der häufigen Mulch-Mahd extrem an Blüten verarmt. Damit ging vielerorts die einzige Nahrungsquelle der Knautien-Sandbiene verloren. Die Art wird deshalb in der Roten Liste der Wildbienen Deutschlands als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft.

Vielfach lauern Krabbenspinnen in den Blütenständen der Knautien, um Insekten zu erbeuten. Dabei passen diese Spinnen ihre Körperfarbe der jeweiligen Blüte an und sind sehr gut getarnt. Die Knautien-Sandbiene fällt diesem Räuber gelegentlich zum Opfer.

Um der Knautien-Sandbiene zu helfen, ist es dringend notwendig, Wiesen mit der Knautie durch die traditionelle ein- bis zweimalige Mahd pro Jahr langfristig zu erhalten. Die gezielte Aussaat der Wiesen-Knautie in Blühmischungen aus gebietsheimischem Saatgut und auch das Einpflanzen angezogener Witwenblumen sind wirksame Beiträge zur Förderung der Wildbiene des Jahres. Auch im Siedlungsraum nimmt Andrena hattorfiana Vorkommen der Knautie gerne an.

Aussehen

Die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana) fällt durch ihre Größe von 13 bis 16 mm und ihren typisch gefärbten Hinterleib auf. Bei den Weibchen ist dessen Basis meist rot gefärbt, die Seiten des zweiten oder dritten Segments markiert je ein schwarzer Punkt. Manche Weibchen sind überwiegend dunkel gefärbt. Die schlankeren Männchen zeigen diese dunkle Färbung durchweg und lassen das Rot vermissen. Für das Erkennen der Knautien-Sandbiene ist der Blütenbesuch eine große Hilfe: Die Tiere sammeln nur an der Witwenblume (Knautie) Pollen für den Nachwuchs. Die purpurroten Pollenkörner der Knautie füllen die Sammeltaschen aus langen Haaren an den Hinterbeinen der Tiere – die Knautien-Sandbiene trägt dann rote Hosen“, eine zuverlässige Bestimmungshilfe!

Mögliche Verwechslung

Die Weibchen der Knautien-Sandbiene sind zwar wegen ihres auffällig gefärbten Hinterleibs und ihrer Größe sehr typisch, doch haben manche andere Wildbienenarten eine gewisse Ähnlichkeit. Die Rote Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena labiata) hat ebenfalls einen rot gefärbten Hinterleib, sie ist allerdings nur 8 bis 10 mm groß. Diese Sandbienenart fliegt früher im Jahr, wenngleich sich das Ende ihrer Flugzeit im Juni mit dem Beginn des Auftretens von Andrena hattorfiana überschneidet.

Eindeutig ist allerdings der unterschiedliche Blütenbesuch. Während sich nämlich die Rote Ehrenpreis-Sandbiene an allen möglichen Pollenquellen bedient, holt sich die Knautien-Sandbiene ihre roten Pollenhosen fast ausschließlich an der Witwenblume. Auch die Skabiosen-Sandbiene (Andrena marginata) ähnelt auf den ersten Blick unserer Wildbiene des Jahres. Sie fliegt aber erst ab August, besucht vor allem die Blüten der Skabiose und misst lediglich 1 cm.

Lebensweise

Die Knautien-Sandbiene kommt in verschiedenen Lebensräumen vor, sofern dort ihre Pollenquellen blühen. In Mitteleuropa ist das in erster Linie die Wiesen-Knautie, auch Wiesen-Witwenblume genannt (Knautia arvensis). Streuobstwiesen, trockene, magere Wiesen, Dämme, Weg- und Waldränder, auch Straßenränder und blütenreiche Flächen im Siedlungsraum sind mögliche Wuchsorte der Wiesen-Witwenblume, vor allem in der Ebene aber auch bis in die mittleren Gebirgslagen bis etwa 1000 Meter Höhe. Die Flugzeit beginnt etwa Anfang Juni und dauert bis Ende August.

Andrena hattorfiana gräbt wie alle Sandbienen ihr Nest im Boden zumeist an schütter bewachsenen Stellen. Es besteht aus einem Hauptgang, von dem einige Seitengänge abzweigen. Am Ende dieser Gänge legt das Weibchen eine Brutzelle an, in die es den rot gefärbten Larvenvorrat aus dem Pollen der Knautie und Nektar einträgt. Der Nesteingang ist ein unauffälliges Loch im Boden und wird nach der Versorgung der Brutzellen vom Weibchen mit einem Propfen aus Erde und Körpersekreten verschlossen.

Auf der Suche nach der Knautien-Sandbiene

Unsere Wildbiene des Jahres 2017 ist in ganz Deutschland noch weit verbreitet. Am Beispiel von Baden-Württemberg
zeigt sich, dass sie die tieferen Lagen bevorzugt. Helfen Sie bitte mit, das Verbreitungsbild der Knautien-Sandbiene zu aktualisieren! Schauen Sie in der Zeit von Anfang Juni bis Ende August an Beständen mit blühenden Witwenblumen, ob Ihnen die Knautien-Sandbiene beim Blütenbesuch auffällt. Wünschenswert wäre es, wenn Sie auch ein Foto der
Tiere machen könnten.

Wenn Sie die Knautien-Sandbiene entdecken, melden Sie sich bitte unter:



Herzlichen Dank


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Quellen & Hinweise:




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