BEW Hammerschmitten am Kocher

Kochertal in Baden-Württemberg.

BEW Hammerschmitten am Kocher

Beitragvon jan » Mi 18. Jan 2012, 22:23

1999: Jubiläum in Westheim.
Die BEW feiert ihr 100jähriges Bestehen. (aus der Festschrift)

Von der "Hammerschmitten am Kocher" zum modernen Industrieunternehmen.

Am 20. Juli 1899 unterzeichnete Jean Möckel als Geschäftsführer zusammen mit 13 weiteren Gesellschaftern den Vertrag - und legt damit den Grundstein für die "Baubeschlag- und Eisenwarenfabrik Westheim GmbH". Genau genommen war dieser Neubeginn eine Weiterführung der "Haller Industrie", deren Unternehmensleitung - der Pfarrer und Prediger Hermann Faulhaber - mit einem spektakulären Konkurs für Aufsehen sorgte. Jean Möckel, der als Konkursverwalter gleichzeitig einer der Hauptgläubiger war, erkannte aber in dieser Situation das Potential des Unternehmens, setzte auf den Bedarf an eisen verarbeitender Industrie und knüpfte damit an eine jahrhundertealte Tradition dieses Standorts am Kocher an. Die 100 Jahre seit der Firmengründung bedeuteten eine wechselvolle Geschichte für die BEW - und auch für Westheim und seine Bewohner. Denn das Unternehmen und seine Entwicklung haben in hohem Maße auch den Ort Westheim, seine Bürger und die Menschen in der Umgebung geprägt.

Mit der schrittweisen Vergrößerung der BEW fanden immer mehr Arbeitskräfte hier auch ihren Wohn- und Lebensraum. Damit stieg aber auch die Verantwortung der Untermehmensführung für die Arbeiter und ihre Familien gerade in den Krisenzeiten, die die Fabrik zu bestehen hatte. Für die Geschäftsführer der BEW - Jean Möckel, Gotthilf Wolf, Gustav Vogel ebenso wie für die heutige Unternehmensleitung Helmut Vogel und sein Sohn Joachim Vogel war diese Verantwortung immer auch der persönliche Anspruch, wenn es um die Geschicke des Unternehmens ging.

Zurück zu den Anfängen. In Gotthilf Wolf hatte Jean Möckel schon bald eine Führungspersönlichkeit gefunden, der er das Unternehmen anvertrauen konnte, dem er bereits 1901 die Geschäftsführung übertrug. Die Jahre des Aufbaus erweisen sich nicht gerade als einfach, doch trotz konjunktureller Schwankungen konnten die Umsätze gesteigert, die Arbeiterzahl erhöht werden. Das rasante Entwicklungstempo der Industrie nach der Jahrhundertwende forderte Zulieferbetriebe, die mit dem technischen Fortschritt mithalten konnten - die BEW erkannte diese Herausforderung an den Ausbau der Produktion richtig und konnte mit dem Erfolg zufrieden sein.

Dann setzte eine tragische Krisenepoche ein: Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs hatte die Unternehmensleitung nicht gerechnet - er bedeutete für die BEW einen deutlichen und unverhofften Einschnitt. Um zumindest den Fortbestand der Fabrik zu sichern, wurde die Produktion teilweise auf Rüstungslieferungen umgestellt. Auf das Ende des Ersten Weltkriegs folge die Weimarer Republik - die wohl schwärzeste Phase in der Geschichte der BEW. Die Weltwirtschaftskrise stieß auch die Westheimer Fabrik in eine unaufhaltsame Talfahrt, die Arbeiter führten einen verzweifelten Kampf ums Überleben. Mit der Machtergreifung von Adolf Hitler und der NSDAP im Jahre 1933 begann auch für die BEW eine Phase des Aufschwungs. Gleichzeitig waren aber auch die politischen Auswirkungen des NS-Regimes, mit dem weder Gotthilf Wolf noch sein damaliger Prokurist Gustav Vogel verbunden waren, deutlich spürbar: die Angst vor Repressalien ging um, das Arbeitsklima wurde zunehmend vergiftet und aufgrund der antisemitischen Politik musste schließlich die Drahtbörsenabteilung geschlossen werden - ein Großteil der Handelsvertreter waren jüdischer Herkunft. Wieder sah sich die Geschäftsleitung gezwungen, zunehmend ins Rüstungsgeschäft einzusteigen, um nicht völlig von der Rohstoffversorgung abgeschnitten zu werden. Die Zahl der Belegschaft stieg deutlich an, neue Maschinen wurden angeschafft, das Firmengelände wurde vergrößert. Doch Rohstoffknappheit und Zwangsbewirtschaftung bereiteten dem Unternehmen in diesen Jahren ernste Schwierigkeiten.

Gotthilf Wolf fand in diesen Jahren mehr und mehr Unterstützung durch Gustav Vogel, der seit 1925 dem Unternehmen angehörte und den er 1939 zu seinem Stellvertreter ernannte. Gemeinsam haben sie die BEW durch die schweren Jahre des Zweiten Weltkriegs geführt, an deren Ende nicht nur die militärische Kapitulation, sondern der totale Zusammenbruch des deutschen Staates stand. In den letzten Kriegswochen wurden die Werksanlagen der BEW zu großen Teilen zerstört, der Betrieb von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt. Doch Glück im Unglück: Ende April 1945 konnten Gotthilf Wolf und Gustav Vogel bereits eine Art Interimsproduktion anlaufen lassen. Dennoch waren die Bedingungen schwierig für einen Neuanfang – erst mit der Währungsreform im Juni 1948 fand auch die BEW Anschluss an die neue Zeit.

Das viel gerühmte deutsche „Wirtschaftswunder“ wirkte sich – wenn auch etwas zögerlicher – auch auf die Metall verarbeitenden Betriebe aus. Alte und neue Kunden vergaben ihre Aufträge an die BEW: MAGIRUS in Ulm, WERNER & PFLEIDERER in Stuttgart, die NSU - Werke und auch DAIMLER orderten Zubehörteile in Westheim. 1958 verstarb Gotthilf Wolf im Alter von 86 Jahren; damit ging für das Unternehmen BEW eine Ära zu Ende. Sein Stellvertreter Gustav Vogel wird Nachfolger, und noch im gleichen Jahr tritt sein Sohn Helmut Vogel in die Firma ein – Kontinuität und rechtzeitige Nachfolgeregelung waren gesichert. Gustav Vogel hat die entscheidenden Weichen gestellt – die BEW konnte sich im liberalisierten Wirtschaftskreislauf der Nachkriegszeit erfolgreich behaupten.

Modernisierungen und gezielte Investitionen erhielten der BEW ihre Konkurrenzfähigkeit in einem heiß umkämpften Markt. Im Rahmen dieser Entwicklung entsprach der Firmenname „Baubeschlag- und Eisenwarenfabrik Westheim GmbH“ kaum mehr der Fertigungs-Realität – die Westheimer Fabrik firmierte nun unter „BEW Umformtechnik GmbH“. 1968 trat Helmut Vogel als Geschäftsführer die Nachfolge seines Vaters an. Mit ihm sollte nun ein ganz anderer Unternehmertypus die Geschicke der BEW lenken. Ihm ist es gelungen, trotz Konjunkturabschwächung und Ölkrise, durch Investitionen in die maschinelle Ausrüstung die Auftragslage zu sichern, mit neuen Technologien die Produktion weiter zu steigern und dabei den Export-Anteil auszubauen.

Anfang 1998 unternahm die Geschäftsleitung mit der Gründung der Firma BEW - BOS in der Slowakei einen weiteren Schritt zur Sicherung und Ausweitung der Absatzmärkte. Unter der Führung von Helmut Vogel präsentiert sich die BEW Umformtechnik GmbH heute als gesundes, modernes Mittelstandsunternehmen. Frühzeitig ist sie dem heutigen Trend in der Schmiedebranche gefolgt: höhere Flexibilität, kleinere Stückzahlen, mehr Varianten, höhere Qualitätsanforderungen. In der Produktion stehen modernste Fertigungsverfahren zur Verfügung, die umfangreiche Produktionspalette umfasst Schmiedeteile mit einem Stückgewicht von 500 g bis 25.000 g.

Service und Angebot enden bei BEW nicht an der Schmiede, - dort beginnen sie ! BEW erzeugt geprüfte Qualität mit zugesicherten technologischen Eigenschaften. Dabei verfügt die BEW über einen breit gefächerten, internationalen Kundenstamm aus unterschiedlichen Branchen: Automobilfirmen, Maschinenbaufirmen und Kompressorenhersteller, Berg- und Schiffbauunternehmen, die Luftfahrt- und Kraftwerksindustrie, Armaturenhersteller, Land- und Baumaschinenindustrie sind die wichtigsten Abnehmer der Produkte aus Westheim.



Quellen & Verweise:
Festschrift zum Jubiläum der BEW 1999


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