Die Schlosskirche in Untergröningen

Kochertal in Baden-Württemberg.

Die Schlosskirche in Untergröningen

Beitragvon jan » Mi 18. Jan 2012, 19:50

Die Schlosskirche in Untergröningen - eine wechselhafte Geschichte !

Eine wechselvolle Vergangenheit hat sie hinter sich, die Kirche im Schloss von Untergröningen. Die Spaltung der Christenheit in die evangelische und katholische Konfession sollte ihre Geschichte prägen.

An der Stelle, wo sich jetzt das Schloss befindet, befand sich ursprünglich eine alte Burg. Urkundlich wurde sie erstmals 1102 erwähnt. Seit Mitte des 15. Jahrhundert gehörte das Gebäude den Schenken von Limpurg. Als die Burg militärisch nutzlos wurde, haben ihre Besitzer sie nach und nach in ein Schloss umbauen lassen. Auch eine geräumige Kirche wurde eingebaut. Diese war evangelisch geweiht. Dies versteht sich fast von selbst, wenn man bedenkt, dass die Limpurger die Reformation unterstützt und in ihrem Herrschaftsgebiet nach durchgesetzt hatten.

Als jedoch der letzte Schenke von Limpurg, Graf Vollbert, 1712 starb, bahnte sich ein Wandel an. Er hatte keinen männlichen Nachkommen hinterlassen und so starb die Linie der Schenken auf Schloss Untergröningen aus. Seine Töchter wurden sich nicht einig über das Erbe. Bekommen hat das Schloss schließlich eine Enkelin von Graf Vollbert. Die Erbin, Marie Friederike Sofia Charlotte von Hohenlohe Waldenburg Bartenstein, war jedoch eine gläubige Katholikin. Seit Jahren verwitwet hat sie sich mit 62 Jahren entschieden, ihren Lebensabend auf Schloss Untergröningen zu verbringen. Mit einem kleinen katholischen Hofstaat ist sie ins evangelische Untergröningen gekommen. Sie muss sich sehr geärgert haben, im eigenen Schloss den vertrauten Gottesdienst in der Wohnung feiern zu müssen, da die Kirche der anderen Konfession geweiht war.

Als entschlusskräftige und einfallsreiche Frau wusste sie jedoch einen Ausweg: Sie hat den Untergröningern einen Handel vorgeschlagen. Sie ließ ihnen eine neue evangelische Kirche bauen und dafür wollte sie die Schlosskirche in ihrem Sinn nutzen. Am 2. Adventssonntag 1777 weihten die Untergröninger ihre neue Kirche ein und zur gleichen Stunde wurde die Schlosskirche katholisch. Lange konnte sich die Schlossherrin jedoch nicht an ihrer Kirche freuen, denn bereits im Mai des nächsten Jahres verstarb sie an einem Herzschlag.

Ihr Sohn Carl Philipp hat ihre Nachfolge angetreten - auch in geistlicher Hinsicht. In Reichweite des Schlosses hat er eine katholische Kolonie gegründet. Ein kleines Stück Land, ein Häusle und Arbeit hat bekommen, wer sich in Untergröningen nieder lies und eine Bedingung erfüllte: er musste katholisch sein. So entstand in Untergröningen eine kleine altgläubige Insel, die in der Folgezeit auch Zufluchtort für manche katholischen Emigranten wurde. Etwa für einige Adelige, die während der französischen Revolution fliehen mussten. Marianne Lackmann, eine exzellente Kennerin der Schlossgeschichte, weiß auch hierzu manche Geschichte zu erzählen: Eine junge Adelige habe bei einer Bootsfahrt auf dem Kocher ihren Ring verloren. Daraufhin hatten anderntags die Untergröninger mit Schaufel und Hacke anzutreten, um den Kocher umzuleiten und nach dem Ring zu suchen - leider ohne Erfolg.

Eine besondere Geschichte hat auch auch der Seitenaltar in der Schlosskirche. Er ist in Ulm um 1497/98 entstanden und stellt die Gottesmutter sowie die Heilige Katharina und die Heilige Barbara dar. Ursprünglich stand er in der Heerbergskirche in Laufen. Bis zur Reformation und teilweise noch später war er Ziel einer Marienwallfahrt. Die dortige evangelische Gemeinde hat sich jedoch im letzten Jahrhundert entschlossen, den katholisch wirkenden Altar zu veräußern. So wurde er zum Verkauf ausgeschrieben und einige Gemeinden haben auch viel für ihn geboten. Bekommen hat ihn allerdings die katholische Kirchengemeinde Untergröningen. Nicht, weil die besonders viel bezahlen konnte. Aber die Laufener und ihre Nachkommen hatten so die Chance, ihn weiterhin im nahe gelegenen Untergröningen zu betrachten. Dem damaligen Untergröninger Pfarrer Arnold soll es gelungen sein, dies den Laufenern schmackhaft zu machen.


Quellen & Verweise:




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