In einem Bächlein helle,

Sind Sie schon mal durch Oberrot gefahren? Dann haben Sie Rot überquert, und Sie haben sich über die tolle Brunnenfigur gewundert. Nicht? Ich wundere mich heute noch, nahezu jeden Tag.

In einem Bächlein helle,

Beitragvon Angelgast » So 12. Mai 2013, 17:42

In einem Bächlein helle,
Da schoß in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber, wie ein Pfeil:
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süsser Ruh
Des muntern Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Ruthe
Wol an dem Ufer stand,
Und sah’s mit kaltem Blute,
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht’ ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.

Doch endlich ward dem Diebe
Die Zeit zu lang; er macht
Das Bächlein tückisch trübe:
Und eh’ ich es gedacht,
So zuckte seine Ruthe;
Das Fischlein zappelt dran;
Und ich, mit regem Blute,
Sah die Betrogne an.

Ihr, die ihr noch am Quelle
Der sichern Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle;
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
Der Klugheit; Mädchen, seht
Verführer mit der Angel –
Sonst blutet ihr zu spät.

Christian F. D. Schubart schrieb das Gedicht während seiner bis 1787 dauernden Gefangenschaft auf der Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg. Anlass für die Inhaftierung war seine politische Kritik an Herzog Carl Eugen. In der Fabel der Forelle symbolisierte er sein
eigenes Schicksal. Um die allzu offensichtlichen Parallelen zu verstecken, deutet eine vierte Strophe die Fabel zu einer Warnung vor Verführern junger Mädchen um. Berühmt bis in die heutige Zeit wurde dieses Gedicht als Text im Kunstlied „Die Forelle“ von Franz Schubert (1817), der dieser Fischart durch das „Forellenquintett“ (1820) auch ein musikalisches Denkmal setzte.

Hinweise, Quellen & Verweise:
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