Das Rotthal (Rottal) von Heinrich Prescher 1790

Rottal in Baden-Württemberg.

Das Rotthal (Rottal) von Heinrich Prescher 1790

Beitragvon jan » Fr 2. Mär 2012, 18:05

Heinrich Preschers Limpurgischen Pfarrers zu Gschwend

Geschichte und Beschreibung der zum fränkischen Kreise gehörigen Reichsgrafschaft Limpurg
Von Johann Philipp Heinrich Prescher. Veröffentlicht von Erhard, 1790

Das Rotthal (Rottal)
S 225-248

Das Amt Oberroth (Oberrot), mit welchem das ehemalige besondere Amt Viechberg (Fichtenberg) vereinigt ist, liegt von Gaildorf abendwärts, seinem größten und besten Theile nach langst dem Rothflüßchen. Es gränzt auf seiner Morgen- und Mittagseite mit dem Wurmbrandischen Antheil, zum Theil auch auf der leztern mit Wirtemberg, mit dem zur Grafschaft Löwenstein gehörigen Amt Sulzbach an der Murr, und gegen Abend und Mitternacht abermals mit Wirtemberg und dem Hallischen Gebiet, auch mit Hohenlohe.

Das Roththal (Rottal) ist die Goldgrube dieses Amts. Die herrlichen, mit ihrem manchfaltigen Blumenschmelz das Auge vergnügenden, und mit ihrem fetten Gras eine große Menge Rindvieh ernährenden Auen, zu beyden Seiten der Roth, befördern vorzüglich den Wohlstand der Landes - Einwohner. Auch der Ackerbau ist ansehnlich, die Ackerbeete sind zum Theil bis hoch an die Berghalden hinauf gezogen, es wächst der beste Dinkel, man kennet den Klee-, Eßper- und Lucernen - Bau. Die schönen herrschaftlichen und Kommun(al)- auch Bauern-Waldungen werfen auch etwas ansehnliches ab. Es wird viel so genanntes Staudenholz auf der Roth und den Kocher, und auf diesem weiter nach Hall geflößt, und allerley Holzwaren in das Wirtembergische, (wie der Bauer zu sagen pflegt, ins Land hinaus) verführt. Auch verdient sich mancher Bauer mit Getraide - Fuhren, die von Hall her durchs Land über die Gränze gehen, schönes Geld.

Der Roth - Fluß läuft bey anhaltenden oder starken Regengüssen, weil sein Bette viele Krümmungen hat, leicht an, und düngt zwar mit seinem fetten Schlamm die Wiesen, aber verschlammt auch zuweilen die reichsten Futterernten, oder reißt einen Theil derselben gar mit fort(**). Eben diese Plag wird auch öfters für die Straße verderblich. Doch ist der Fußpfad neben der Fahrstraße durch einen großen Theil des Thals mit Steinen gepfiastert.

(**Anmerkung: Wenn ein krankes oder überanstrengtes Hirn nun meint, es muss sich über die Beseitigung der letzten Rot-Mäander ereifern - so bitte hier weiterlesen - danke!)


Gegen Murrhard hin, ist dieses Thal von dem Murrthal durch eine Berghöhe geschieden, welche von Alters her die Schanze genennt wird, und die Passage von Gaildorf nach Murrhard und weiterhin etwas beschwerlich macht. Oben sehet man noch Ueberreste von alten Wällen und Graben.

Es folgen die Amtsorte.

1. Oberroth, an dem Rothfluß, in welchen der durch den Ort fliessende Fronbach läuft, zwey Stunden abendwärts von Gaildorf, ist der Amtsiz für dieses und das damit verknüpfte Gschwender Amt. Der jedesmalige Kammerrath und Amtmann hat auch die Forst- und Jagd-Sachen zu besorgen. Der Flecken ist wohlgebauet, und hat gepflasterte Strassen, etwa 60 Bürger, und überhaupt 400 Einwohner. Die meisten nähren sich vom Landbau, die übrigen von Handwerkern. Zwei Wirthshäuser sind hier, zwei Badstuben, eine Färberey, eine Mühle zum Mahlen und Sägen eingerichtet, und oberhalb des Ort noch eine Mahlmühle. Der Ort ist zu drei Jahrmärkten berechtiget. Die ganze Markung ist angebauet, nachdem im Jahr 1771. auch der beträchtliche Gemeindboden unter die Einwohner vertheilt wurde. Eine wohlthätige Folge der vorhergehenden Theuerung. Die Vorsehung empfahl durch das Gefühl des damaligen Mangels neue Industrie.

Die Kirche nebst dem Pfarrhof, liegt am einen Ende des Orts, nicht weit vom Fluß. Das jetzige Kirchengebäude kann nicht das älteste sein. Ein Stein über einer Kirchentüre, der das iimpurgische und das altadelich Rothische, dazwischen aber den über sie hinaufragenden Kloster Murrhardischen Abtstab, in erhabener Arbeit zeigt, enthalt darüber die Jahrzahl 1513. Daß nun das jetzige Kirchengebäude in diesem Jahr erbauet worden, ist um so mehr wahrscheinlich, da innen an der alten gemahlten Decke des Schiffes oder Langhauses der Kirche neben dem Limpurgischen das Wappen eines Bischofes von Würzburg aus dem Hause der Edlen von Bibra, zu sehen ist, und der ruhmwürdige Bischof Laureutius von Bibra, der denn auch ungezweifelt Ordinarius hier war, von 1495 bis 1519 die bischöfliche Würde bekleidete.

*) Es war zwar auch Konrad von Bibra 1540. bis 1544. Bischof zu Wirzburg; aber es ist nicht glaublich, daß die Decke erst so spät nach der Vollendung des Hauptbaues gemacht und gemahlt worden, zumal da die hl. Jungfrau mit dem Mond unter ihren Füssen nahe dabey stehet. Das Herzoglich Wirtembergische Wappen, welches an der selben Decke, den angeführten Wappen gegen über gemalt ist, der Murrhardische Abtsstab und das Wappen der Herren von Roth aussen über der Thüre, sind auch wohl zu erklären. Das Kloster Murrhard war von alten Zeiten her Patron der Pfarre, der Herzog von Wirtemberg des Klosters Schirmherr und Kastenvogt, die von Roth mit Limpurg, wenigstens auf gewisse Weise Condominial-Herren des Orts.

*) Es ist ein gevierter Schild, dessen erstes Feld die fränkischen Heerspizen, das vierte das bekannte schräg schwebende von Roth und Silberquadrate Wirzburgiche Fähnlein, das zweyte und dritte aber den schwazen aufrecht stehenden Biber aus dem Bibraschen Geschlechtswappen enthält.

Man stehet noch mehrere nicht unbedeutende Antiquitäten in und an der Kirche. Nächst an der Kirchthüre gegen Morgen stehet ein Gedächtnisstein eines Frizen von Roth, der 1482. gestorbe ist. Das Wappen desselben hat im Schild 3. Querbalken, auf dem Helm 2. Buffelhörner, die mit eben diesen Querbalken belegt sind. In der Kirche sind etliche Denkmale, theils sehr schön gearbeitet, des Geschlechts der Senften von Sulburg, die zum uralten Hallischen Patriciat und zu dem Geschlecht der Sulmeister gehörten. Ein Schild mit dem Senftischen Wappen im Chor erhält das Andenken des Wohledlen und Gestrengen Wolff Jacob Senfft von Sulburg, gest. 1614.

Ein steinernes Monument in der Mauer, ohnweit der Kanzel, mit dem Senftischen und Meisenburgischen Wappen, welchen zu beyden Seiten noch mehrere Ahnen-Wappen stehen, hat in einem Schild die Inschrift:

Montag den 26. Febr. Anno 1627. vor-
mitag zwischen 9. u. 10. Uhr ist in
Got sanft entschlafen die wohledel und
tugentreiche Fraw Margareta Senftin v.
Sulburg Witib geborne Meisenbugin zu
Ober Rodt deren Got gäd.


Das Senftische Wappen hat im Schild einen von der linken zur rechten Seite herablaufenden Schrägbalken, auf dem Helm ein springendes Einhorn.

Ein groser fester Stein aussen an der Kirche zeigt keine ganz leserliche Inschrift, aber die Jahrzahl 1419. und einen Communions Kelch in einem dreyektigten Schild. Wahrscheinlich zum Gedächtnis des hiesigen Pfarrers Johann Premmingers, der in jenem Jahr starb. Eine Brenzische Abkömmlingin, gest. 1598. hat auch daneben ein Denkmal.

Zwey alte grose Glocken, die eine vom Jahr 1404. die andre vom Jahr 1496. *) lassen vermuthen, daß vor dem jezigen Kirchengebäude schon eine alte, nicht kleine Kirche hier gestanden habe. Auch der Kirchthurm scheint viel älter zu seyn, als das jezige Kirchengebäude.

*) Sie ist nach alter Art getauft, und die Umschrift erhält noch das Andenken an den alten Glocken - Aberglauben: Sie heißt: Osanna heiß ich in meiner Frauen Namen läut ich - Jacharias Lachamann gos mich 1496. Die Glocken in der Bonifatiuskirche: -

Sicher ist der Ort sehr alt. Eine alte Urkunde vom Jahr 855. die Eckhart bekannt gemacht hat, gedenket dessen schon. Nach der.- selben überlaßt Abt Hatto zu Fulda dem Grafen Sigehardo de rebuz S. Bonifacii in pago Cochingouue in duabus villis, in Rotaha nempe et in Westheim - - quicquid ibi proprieratis Ecclesia Fuldiensis habuit. Der h. Bonifaz ist, wie man sehr wohl weiß, Kirchen - Heiliger zu Oberroth. Wie schön stimmt dies mit der alten Eckhartischen Urkunde überein! Dies und der Beysaz des nahe liegenen Westheims, nebst der Nebenbestimmung, daß beyde Villae in Kochergau gelegen syen, läßt an kein anders Roth gedenken, als Oberroth.

In Mittelroth war nicht Bonifaz, sondern der Ritter Georg Kirchen-Heiliger, Unterroth hat nie eine Kirche gehabt, beyde Orte scheinen auch nicht so alt zu seyn. Graf Sieghard war ohne Zweifel einer der Kochergaugrafen. Da nun diese nach alten Nachrichten dem Kloster Murrhard viele Güter geschenkt haben sollen, insbesondere auch vieles in und um Westheim, so läßt sich vermuthen, daß auf solche Weise auch das ehemalige Eigenthum des h. Bonifaz in Oberroth an jenes Kloster, und in dieser Beziehung an Wirtemberg gekomme. Das edle Geschlecht von Roth hatte hier und in der benachbarten Gegend, bis in das sechszehnte Jahrhundert Besizungen und eine halbe Stunde am Rothftuß weiter aufwärts sein Stammhauß, eine alte Burg auf einem über die benachbarten Anhöhen emporragenden Berg, auch Roth genannt. Man sehet noch die Spuren der alten Burg, aber keine Gebände, noch sonst ein Denkmal mehr. Das Geschlecht ist sehr alt, und soll sich, wenn alten Chronik.- Nachrichten zu trauen ist, in zwey Äste getheilt haben, deren der eine das schon angeführte, der andre aber ein dem Vohensteinischen ahnliches Wappen, mit 2. jedoch umgekehrten Fisch-Legeln, geführt haben. Im Jahr 1304. sollen aus diesem Geschlecht noch einige Bürger zu Hall gewesen, auch um diese Zeit das kaiserliche Stadtschultheisen - Amt von ihnen verwaltet worden seyn. Man trift ihrer vom Jahr 1100. an, eine Menge in Urkunden an. So kommen z. E. Wolpoto, Crafc und Udalricus de Rode schon um diese Zeit vor, und zwar unter mehreren Edlen dieser Gegend, und zwar insbesondre als Wohlthäter des Klosters Gnadenthal, und als Stifts - Herren in Oehringen, als Klosterbrüder. Ein Volnandus de Rode war im Jahr 1276. Plebanus in Steinbach, ein Siboto dictus de Rode im Jahr 1277. Commendator, vermuthlich des Johanniter-Ordens. Der lezte des Geschlechts, nemlich Friz von Roth, soll nach Widmanns Angabe, im Jahr 1542. im Türkenzug, zu Osen in Ungarn, an einer Krankheit gestorben seyn. Allein eines Caspars von Roth nachgelassene drey Töchter kommen noch 1550. urkundlich vor, als unter Vormundschaft stehend. Vielleicht hat Widmann nur im Vornamen geirrt. Er meldet daneben, was jener an der Roth gehabt, sey den Herrn von Limpurg, zu Gaildorf wohnend, als Lehen heimgefallen. Dies kann zum Theil wahr seyn. Es sind aber viele Güter derer von Roth zum Theil lang vor dieser Zeit an Limpurg, auch an Löwenstein, und von dort wieder an Limpurg verkauft worden. Die Burg Roth kam wenigstens schon 1367, als ein Burgstall, zum Theil nebst andern Gütern, an Limpurg.

Auch die Sturmfeder, und Sieder, besaßen im 14. und 15. Jahrhundert einiges hier, vielleicht durch Heurath oder Erbschaft erworben, welches aber auch schon damals durch Kauf an Limpurg kam. Die Senften haben ohne Zweifel hier auch ein Lehen von Limpurg gehabt.

Im Jahr 1525. mußte der Ort während des Bauern - Aufruhrs eine Plünderung von dem Schwäbischen Bundsvolk erfahren. Im dreysigjahngen Krieg hatte er auch harte Schicksale. Nur im Jahr 1635 starben aus der Psarrgemeine 218. Personen; hingegen ist die Mittelzahl der Verstorbenen in dem zehenjährigen Zeitraum von 1641. bis 1650. bis auf ein Jahr nur etwas über 9. da doch Hunger und Krankheiten noch nicht rar waren. Die Anzahl der Pfarr-Angehörigen mag also bey dem wiederkehrenden Frieden kaum 300. gewesen seyn. Jezt sinds 1200. Gewiß ein hübscher Zuwachs in 140. Jahren, da sich doch Hausen seit dieser Zeit getrennt hat.

Von diesem Ort ist noch etwas anzuführen. Hausen an dem Rothfluß, nur eine Viertelstunde herabwarts von Oberroth, ist Stift - Komburgisch, ein mässiges Dörfchen. Es gehörte von Alters her als Filial zur Oberrother Kirche. Im Jahr 1670. wurde der erste katholische Einwohner aufgenommen. Nach und nach wurde diese Religion die herrschende, es wurde eine katholische Kapelle erbauet, und im Jahr 1695. waren von 175. Einwohnern nur noch 40. evangelisch, die nach und nach ausstarben. Ein Herr von Ostein hat die jezige schöne massive Kirche erbauen lassen, an welcher über der Haupt - Thüre bey dem Osteinischen Wappen die Jahrzahl 1770. zu sehen ist.

Um den Burgberg Roth gibt es schönen Achat in Menge. (Anm.: Nahe dem Flinsberg)

2. Viechberg (Fichtenberg) liegt mitten im Roththal, an dem mitternächtlichen Ufer des Flüßchens Roth, eine Stunde von Gaildorf, und eben so weit von Oberroth. Es ist ein gut gebauter Flecken, mit einer Pfarrkirche. Wohnungen sind hier 57. Einwohner-Seelen 369. Die herrlichsten Auen umgeben den Ort, selbst die Berge sind bis auf ihre mit Waldung gekrönten Gipfel angebaut. Esper wird seit geraumen Jahren an den Bergen gepflanzt. Der Gemeinboden ist vertheilt.

Die ihrer Strucktur nach alte Pfarrkirche, davon aber das Jahr der Erbauung nicht bekannt ist, stehet in einem Kirchhof, der nach alter Art, wie ein Kastell, mit hohen und starken Mauren eingefaßt ist. Auf dem alten massiven Thurm findet sich auch noch eine grose alte Büchse (oder Doppelhacke), dergleichen vor Alters auf allen Kirchthürnen oder Kirchen um der häufigen Befehdunqen willen gewesen seyn sollen. Aber die gröste Antiquität aus dem Thurn ist vielleicht die kleine Glocke. Sie enthält in angegossenen sehr alten Schrift - Charakteren die Namen der 4. Evangelisten und der Maria, ohne eine Jahrzahl.

In der Kirche, an der Wand, dem Haupteingang gegen über, ist ein artiges Denkmal, das der ehemalige Herzoglich, Wirtembergische Konsistorial - Rath., Probst und Generalsuperintendent zu Denkendorf, Philipp Heinrich Weissensee vor 40. Jahren hat aufstellen lassen. Er war von hier gebürtig. Er wird als einer der klügsten Pädagogen seiner Zeit beschrieben, und lies auch nicht nur Arme überhaupt, sondern insbesondre die Schule an seinem Geburtsort einen Theil des von Gott ihm geschenkten Segens geniesen. Denn da sein jüngerer Bruder, Ludwig Jacob Weissensee, Herzoglich-Mecklenburgischer Hof- und Justiz-Kanzleyrath, für Arme und Schule der Viechberger Gemeine 6oo. Fl. gestiftet hatte, so legte er noch 200. Fl. bey, und ließ im Jahr 1748. folgende Inschrift auf einer Tafel in der Kirche aufstellen:

„ Ps. 118. v. i.
Gott allein die Ehr.
Herr
Ludwig Jacob Weissensee,
Baron Krassow. Hgräfi. Ahlefeld. Hfürstl.
Mecklenburgischer Hofmeister, Hof-und Justiz,
Canzley - Rath zu Schwerin, deß vor diesem
Altar ruhenden 52 jährigen Pfarrers allhier,
Herr M. Johann Jacob Weissensee
und Frauen Regina Boeckin von Giengen,
von VIII. Söhnen und III. Töchtern der Vllde in der Ordnung, mit allen gebohren
allhier zu Fichtberg d. 30. December 1682.
und sellig gestorben unvermählt zu Schwerin den 1. Dec. 1746.
Stifter von 600. Gulden Capital für Arme und Schule der
Evangelischen Gemeinde zu Fichtberg,
zum Segensgedächtnis aufgestellt, und mit einer Donation von 200. Gulden vermehrt,
von dem noch allein übergebliebenen Erstgebohrnen
Philipp Heinrich Weissensee, Prälaten
zu Blaubeuren A.1722. Württemb.
Landschafftl. Assessor A. 1724. Prälaten zu Hirsau
und Consistorial-Rath A. 1727. Probst
zu Denkendorff und General-Superintend. A. 1740. allhier gebohren den
6. Febr. A. 1673. im 44sten Jahr des Vatters."


Auf dem Denkmal, welches zwar nur von Holz, aber von guter Arbeit, und durch Joh. Jac. Ihle von Eßlingen mit Geschmack gemahlt ist, befindet sich zu oberst das schöne Brustbild des Herrn Kanzleyraths, gleich unter diesem das Weissenseeische Wappen (über dem Helm ein weisser Schwan, im Schild eine weisse Seerose im blauen Grunde,) und zu beyden Seiten der Innschrift zwey symbolische Figuren, rechts die Gerechtigkeit, links die weise Güte, ein offnes Buch und einen Becher in den Händen haltend. Der Prälat Weissensee genos auch noch in der Zeit durch ein langes ruhmvolles Leben den Lohn edler Stifter; er starb 1767. 94. Jahre alt.

Das Kloster Murrhard hat von Alters her, und wenn die Geschichte richtig erzählt, von seiner Entstehung, hier die Pfarren zu ersezen gehabt, und Wirtemberg hat dieses Recht bisher ausgeübt. In die Stelle des Bischofs ist bey der Reformation der Landesherr getretten. Das Kloster Murrhard baut auch das Pfarr. Haus, hat aber auch Zehenden hier und in der Gegend.

Der Murrhardische Stiftungs-Brief enthält eine Stelle, worin ausdrücklich vorkommt: als die Zahl der Diener Gottes in Murrhard zugenommen, hat der Stifter (Kaiser Ludwig der Fromme) ihnen zur Unterhaltung ihres Lebens die drey Pfarreyen Fichberg, Murrhard und Sulzbach (an der Murr) mit ihren Zugehörden gegeben. Vermög dieser Stelle hätte also Viechberg(Fichtenberg) im Jahr 817 schon eine Pfarrkirche gehabt, und die umliegende Gegend wäre unter der Karolinger Botmäsigkeit gewesen. Darin findet sich wenigstens keine auffallende Unrichtigkeit. Man weiß aus ganz andern Urkunden, die ausser allem Zusammenhang mit dem Kloster Murrhard sind, daß der h. Bonifaz im Jahr 855 und früher Besizungen in Oberroth gehabt hat, wie bey diesem Ort angeführt worden, warum könnte Viechberg, bey so vorzüglicher Güte seinesBodens, um dieselbe Zeit nicht auch schon wohl angcbauet, und mit einer Pfarrkirche versehen gewesen seyn? Man weiß, daß in diesem Jahrhundert Kaiser Arnulph Befreyungen in Betreff der Hallischen Saline ertheilte, warum könnten die Karolingischen Kaiser vor ihm an andern Orten dieser Gegend nicht Stamm- oder Krongüter gehabt haben? Ueber andre Punkte in Ansehung der Aechtheit oder Unaechtheit jenes Stiftungsbriefs kann man sich hier nicht verbreiten.

Sonst findet sich, daß verschiedene edle Geschlechter vorzeiten hier Güter gehabt haben, als von Wöllstein, von Ickingen, von Roth, selbst die Herren von Weinsperg. Auch hat der von Rosenstein, mit seiner Burg Rothenberg einiges hier an Limpurg überlassen.

Eine Zeitlang war Viechberg auch der Hauptort eines besondern Amts.

Wahrscheinlich sollte aber der Name des Orts, Fichtberg geschrieben werden, weil wirklich der Berg, an dessen Fuß derselbe liegt, von den Fichten, mit welchen er von Alters her bewachsen war, also heißt.

3. Mittelroth(Mittelrot), ein Dorf, an dem Roth Flüßchen, in dem von demselben benannten Roth-Thal, stromabwärts, nur eine kleine halbe Stunde von Viechberg entlegen. Ackerbau und Viehzucht gedeihen hier wohl, obschon die Aeker grosentheils an Bergen liegen. Man kann hier auch Esper- und Lucerne-Pflanzungen sehen. Der Wohnungen sind 36. der Einwohner-Seelen 216. Das so genannte Oelhäußle ist hierunter begriffen.

Es ist hier auch eine noch vor der Reformation erbauete, Viechberger Filialkirche, in welcher welcher jährlich zu gewissen Zeiten Gottesdienst gehalten wird. Der Altar zeigt in erhabener Arbeit die Maria, den Ritter S. Georius und den h. Stephan. An den beyden Thürflügeln, womit das Innere bedeckt und zugeschlossen werden kann, ist die Märtyrer-Geschichte der unschuldigen Kindlein mit Wasserfarben gemahlt. Vergoldung und Colorit sind noch immer frisch und schon.

Die meisten hiesigen Güter sind 1338 mit der Burg Röthenberg an Limpurg übergeben worden. Zwey Höfe, die vormals Wirtembergisch waren, wurden 1607 eingewechselt.

4. Kron-Mühle, eine Mahl-und Sägmühle, nebst einem Hofgut, an dem Roth-Flüßchen, zwischen Viechberg und Milttelroth. Es sind hier 22 Einwohner-Seelen. Ehemals auch ein Zugehörde der Burg Röthenberg.

5. Dauppenbach, auch Dappachhalden, ehmals Taubach, in derselben Gegend, enthalt 4.Wohnungen, mit einigen Feldgütern, und 15. Seelen. Ein Gut, der Taubach genannt, wird schon 1338. gefunden.

6. Stöckenhof, eigentlich Stöckachhof, ein ehemaliger Herrschafthof, am Wege von Viechberg nach Oberroth, ist jezt mit einem Unterthanen besezt, und enthält 10 Seelen. Schon 1338. wurde er von Walther dem Haugen von Wellstein erkauft.

7. Buschhof, in derselbeln Gegend, hat 7. Einwohner-Seelen.

8. Die Sagmühle oberhalb Viechberg, an der Roth, hat 6 Seelen.

9. Langertshof, ein kleines Gütchen, darauf erst neuerlich ein Unterthan anqesezt worden, in der Gegend von Aichen-Kirnberg gelegen, hat 3 Einwohner - Seelen.

Folgende Orte, in der Gegend um Oberroth sind ganz Solms-Assenheimisch:

10. Brennhof, ein Hofgütchen, vor etwa 200. Jahren erbaut, enthält 7. Seelen.

11. Conhalden ein ehemaliger Hof, jezt mit mehreren Unterthanen besezt, hat 22. Seelen. Die Solde zu Techsenberg, die dazu gezogen ist, wurde 1367. von Conrad und Wilhelm von Roth erkauft.

12. Glashofen, ein Weiler, hat 81 Seelen. Ehemals hatten das Kloster Murrhard, die Grafen von Löwenstein, und das Geschlecht von Roth Besizungen hier.

13. Hammerschmitten, ein Oertchen von 19. Einwohner-Seelen. Es ist etwa vor 100 Jahren in dem eigenthümlichen Herrschaftwald, Rindsbuch genannt, angelegt worden.

14. Marbächle, auch Morbächlin, auch im vorgenannten Wald. Im Jahr 1557 wurde es noch ein Hofflin genennet; nachher kamen mehrere Gütchen dazu. Jezt sind 29. Seelen hier. Ehemals gehörte die Revier den Herren von Roth.

15. Marhördt, ein Weiler in eben demselben Waldstrich, von 63. Seelen- hieß 1557. noch ein Hoff; und gehörte ehemals auch denen von Roth.

Folgende Orte enthalten auch zum Theil aus herrische Unterthancn:

16. Ebersperg(Ebersberg), ein Weiler, nahe an dem Burgstall Roth, hat 139. Einwohnerseelen, darrunter aber 2. Hohenloh - Bartensteinische aus 11. Seelen bestehende Haushaltungen sind. Es war eine Zugehörde der Burg Roth. Den Einwohnern sind auch die ehemaligen Burggüter überlassen worden.

17. Hohnartsweiler/Hohnhardtsweiler), (Honortsweiler, ehemals auch Wonhartsweyler) ein Weiler von 133. Seelen, darunter aber 2. Wirtembergische Haushaltungen von 3. Seelen, und 9. Hallische Haushaltung mit 40. Seelen begriffen sind. Im Jahr 1572. verkaufte Graf Albrecht von Löwenstein hier vier Güter an Limpurg, die er von Fritzen von Roth erhandelt hatte, und 1427. Greeth von Oettendorf auch ein Gut.

18. Kornberg, ein Weiler von 81. Seelen, darunter aber eine Wirtembergische Haushaltung von 7. Seelen, sich befindet. Es ist 1370. von Burkard und Friedlich von Sturmfeder erkauft worden.

19. Obermühlen, ein Weiler von 59. Seelen, darunter aber 2. Wirtembergische Haushaltungen von 12. Seelen begriffen sind. Obermühlen am Reyenberg gelegen, war ehmals Rothisch, dann Löwensteinisch, 1570. wurde es Limpurgisch durch Kaut. Auch die Frauen-Klause in Unter-Limpurg besaß ehmals ein Gut hier.

20. Sfiershof, hat 44. Einwohner.-Seelen, darunter 7. Wirtembergische Haushaltungen, von 28. Seelen.

21. Wolfenbrück, ein Weiler von 84. Seelen, davon 21. in 4. Haushaltungen Wirtemberg angehören. Ein Leonhard Thür von Santzenbach verkaufte 1553. hier an Limpurg seine Gerechtigkeiten auf seinem frey eigen Guth.

22. Frankenherg, ein Weiler, worin sich 10. Limpurgische Unterthanen befinden, welche 58. Seelen ausmachen.

Ein Gut dahier wurde 1367. von denen von Roth erkauft. Auf vier dem Kloster Murrhard lehenbaren Gütern trugen die Spießen zu Hall, die Vögten samt anhängigen Vogtgütern von Limpurg zu lehen; sie ist aber durch Aussterben dieses Geschlechts wieder an die Herrschaft zurückgekommen. Auch hatten die von Holz ehemals ein Lehen hier von Limpurg.

23. Hütten, ein Dorf, eine halbe Stunde von dem Hohenlohischen Flecken Mainhard entlegen, wohin es auch gepfarrt ist. Die hierher gehörigen Unterthanen, ausser welchen sich aber auch Wirtembergische hier befinden, machen 21. Haushaltungen und 143. Seelen aus.

So viel Limpurg Theil an diesem Dorfe hat, ist von Burkard und Friedrich von Sturmseder im Jahr 1370. erkauft worden.

An allen diesen Orten machet das Gewerbe mit Holz einen grosen der Geschäfte und Nahrung der Einwohner aus.

24. Hankertsmühl, (Heinkardtsmühl) in der selben Gegend, ist 1307. von den Gebrüdern Conrad und Gözcn von Roth erkauft worden. Es sind 8- Seelen hier.

25. Scherbenmühl, in gleicher Revier gelegen. In wie fern diese Mühle zu diesem ianocs Antheil gerechnet werden möchte, wird sich am besten aus der Stelle ergeben, welche man hierüber in der von Limpurg im Jahr 1714. bekannt gemachten Deduction lieset:

„Die hohe und niedere Obrigkeit auf der Scherbenmühl, heißt es daselbst, stehet dem hochfürstlichen Haus Würtemberg zu, Limpurg aber hat gleichwohlen an allen Freveln, desgleichen an der Gült, Umbgelt, Weeglösen und Handlohn zwey Drittheile zu gemessen, nachdeme die Rothische Terz, davon im Vertrag de Anno 1537. gemeldet wird, dieser Herrschaft mit andern Rothischen Gülten und Gülhern incorporirt worden. Sonsten besizet dieser Müller nebst einer Hoffstatt verschiedene Reuthen und Wiesenstück im Wald Scherbenhaw an der Roth, welcher Wald zum Theil von Hanen von Roth mit andern Güthern im Jahr 1410. erkaufft, zum Theil auch von Ihro Fürstl. Durchl. Herzog Christophen zu Würtemberg Anno 1556. dergestalt eingewechselt worden, daß solcher fürterhin zu ewigen Zeiten dem Haus Limpurg eigenthümlich zugehören und bleiben solle.„

Das Solms Assenheimische Amt Geschwend.
Von der Beschaffenheit dieses Amt überhaupt ist schon bey dem Wurmbrandischen Antheil Nachricht gegeben worden. Der Verwaltuung nach ist dieses Amt mit dem Amt Oberroth verknüpft. Es gehören dazu folgende Orte.

1. Seelach, vorzeiten Seylach, (Lach, Loch,Lohe, bezeichnete in der altdeutschen Sprache einen Wald,) ein Oertchen von 4. Unterthanen-Gütern, welche zusammen 36. Seelen enthalten. Es sind hier zwey Siebenzehner. Da dieser Ort, auf der zweyten Gebirgsstufe, nur eine halde Stunde mittagwärts von Gschwendl iegt, so hat er fruchtbarern Boden, als manche andre Orte des Amts. Der Wieswachs ist ziemlich gut, und die Acker vorzüglich zum Flachsbau tauglich. Die Einwohner besizen auch Waldungen, und eine Sägmühle, …

Auszug aus:
Heinrich Preschers Limpurgischen Pfarrers zu Gschwend
Geschichte und Beschreibung der zum fränkischen Kreise gehörigen Reichsgrafschaft Limpurg


Von Johann Philipp Heinrich Prescher

Veröffentlicht von Erhard, 1790


[habe versucht den Wortsinn mit möglichst geringen Eingriffe zu treffen...bei Fragen oder Unklarheiten folgen Sie bitte dem angegebenen Link... Abschrift aus ]


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