Bonifatiuskirche in Oberrot, Baugeschichte.

Rottal in Baden-Württemberg.

Bonifatiuskirche in Oberrot, Baugeschichte.

Beitragvon jan » Mi 18. Jan 2012, 18:41

Die Glocken in der Bonifatiuskirche: -

Chronologie:

8. Jahrhundert: Nach einer Pergamenthandschrift des 12. Jahrhunderts, Lorscher Codex genannt, vollzog eine Äbtin Hiltisnot am 7. Juni 788 in der Lorscher Klosterkirche vor Zeugen eine Schenkung. Mit ihrem Kösterlein Erlenbach und anderen Gütern vermachte sie auch ihr Erbteil in Raodhaha (Oberrot) an das Kloster Lorsch. Erwähnt wird in der Schenkung eine "Basilika" in Oberrot. Dieser Gründungsbau der Oberroter Kirche war vermutlich ein nur 6x8 m großes Gebäude in Steinbauweise.

10. Jahrhundert: Vermutlich wegen der gefürchteten Einfälle der Ungarn wurde im frühen 10. Jahrhundert ein Wehrturm an die Urkirche angebaut. Für die sakrale Nutzung war der Turm total überdimensioniert, doch bot er der inzwischen zahlreicheren Bevölkerung Zuflucht.

Um 1120: Der Gründungsbau wurde durch ein romanisches Kirchenschiff ersetzt.

Um 1400: Im Stil der Gotik statt fand wahrscheinlich eine größere Umbauaktion statt.

1513:
Unter Pfarrer Röcklin wurde die Kirche nochmals erweitert. Aus dieser Zeit stammt oberhalb der Südpforte die Verkündigungszene mit Maria und dem Erzengel Gabriel sowie eine Reliefplatte mit den Wappen des Murrhardter Abts Oswald Binder, der Schenken von Limpurg und der Herren von Rot.

1569:
Es erfolgte der Einbau einer Empore, wo nun die Männer ihren Platz haben während die Frauen im Erdgeschoss saßen.

1745 und 1747: Das Kirchenschiff wurde erweitert und das Turmdach erhöht.

1822: Das Schiff wurde nochmals erweitert und eine neue Empore auf beiden Längsseiten und der Westseite eingebaut. Als dennoch der Platz für die Kirchenbesucher nicht reichte, wurde die Empore zweistockig gemacht. Dazu wurde die bemalte Holzdecke herausgenommen. Um Licht zu schaffen wurde das gotische Maßwerk der Fenster herausgeschlagen und die Fenster wurden barockisiert.

1833: Unter Pfarrer Kaussler erhöhte man den Chorbogen und weitete ihn aus. Die obere Empore wurde durch eine Außentreppe von der Nordseite her zugänglich gemacht.

1887/88: Nach den Plänen des Architekten Heinrich Dolmetsch wurde eine "Generalsanierung" durchgeführt. Das Kirchenschiff wurde dabei nochmals verlängert. Die Fenster erhielten wieder ihre gotische Spitzbogenform. Eine neue Sakristei wurde angebaut. Außerdem bekam der Turm einen neuen Abschluss. Im Innern wurden neue Emporen eingebracht, die über zwei Stockwerke bis in den Dachbereich aufsteigen. Das Schiff erhielt außerdem eine Spitzgiebeldecke. Wie die die Emporenbrüstungen und -Unterseiten waren sie mit reicher aufschablonierter Ornamentik versehen. Auf der oberen Querempore stand die Orgel. Der erst 1833 erhöhte Chorbogen wurde wieder ein Stück zurückgebaut. Der Chor wurde mit einer Empore und einem bemalten Holzgwölbe versehen. Die Wände - besonders der Chorbogen - waren mit aufgemalten Bändern, Bordüren und Quaderwerk dekoriert.

1900-1920: Auf Grund von Verputzschäden mußten die Wände teilweise neu gestaltet werden. Die Bemalung lehnte sich an die Dolmetsch-Fassung an, war aber aufwendiger gestaltet und wies gedecktere Farben auf.

Zw. 1920 und 1955:
Die Einfassung des Chorbogens erhielt ein völlig neues Dekor in blau getönten Farben. Auslöser war vermutlich ein Verputzschaden.

1955:
Auf Veranlassung des Stuttgarter Architekten Stenzel führten Handwerker und - in Eigenleistung - Oberroter Gemeindeglieder eine Modernisierung der Kirche durch. Mit Ausnahme des Chorgewölbes wurden die Verzierungen und Malereien aus der Zeit Dolmetschts beseitigt. Im Schiff wurde eine Zwischendecke eingezogen. Die Empore im Chor wurde entfernt. An ihrem ehemaligen Platz erstellte man eine neue Orgel.

1962: An Stelle des neugotischen Fensters
aus der Dolmetsch-Zeit wurde im Chor ein Fenster des Haller Künstlers Dieter Franck
eingebaut.

1992-1994: In einem Zeitraum von etwas über zwei Jahren wurde der Innenraum weitgehend wieder im Stil Heinrich Dolmetschs restauriert. Auf eine Rekonstruktion der Wandmalereien hat man bewusst verzichtet. Bodenbelag, Beleuchtung, Elektrik sowie die Bänke im Erdgeschoss wurden erneuert. Außerdem erhielt die Kirche eine Lautsprecheranlage.

Die Glocken in der Bonifatiuskirche: -


Quellen & Verweise:

1200 Jahre Oberrot, Hrg. von Gerhard Fritz, Hans Peter Müller, Rolf Schweizer und Andreas Zieger, Wegra Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1987
Kunst, Kultur und Museen im Kreis Schwäbisch Hall, Konrad Theiss Verlag, 2. Aufl., Stuttgart 1991


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